
Meet The Crafter geht in die nächste Runde. Heute stelle ich euch Catrin alias Catinka Hinkebein vor, dessen Shopname ich schon so toll finde weil er so herrlich schräg ist und ich sofort wissen möchte was sich dahinter verbirgt. In Catrins Shop findet man das kleine Stoffpüppchen Fräulein Hinkebein und viele ihrer Freunde und Verehrer die alle in liebevoller Handarbeit gefertigt wurden. Sie tragen die coolsten Retro-Oufits und sehen alle unterschiedlich aus, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Jede Puppe für sich ist ganz individuell und ein Einzelstück. Ich finde sie einfach zauberhaft - und es gibt auch Puppen für Jungs, das finde ich grandios!
Catrin ist übrigens 33 Jahre alt, hauptberuflich Heilerziehungspflegerin und Mutter eines einundhalbjährigen Sohnes und wohnt in Berlin Kreuzberg von wo aus sie in ihrer kleinen Küchen-Werkstatt ihre Puppen anfertigt. Ich war wie immer neugierig, wie es dazu gekommen ist...
Dein Hobby zum Beruf. Wie kam es
dazu? Was hat dich dazu inspiriert? Wie hast du angefangen?
Mit welchen Materialien arbeitest du am Liebsten? Was sind deine Craft-Must-Haves?
Wo stellst du deine Produkte her?
Hast du ein festes Arbeitszimmer oder eher ad-hoc? Wie ist es
eingerichtet? Wie bewahrst du deine Utensilien auf? Hast du dazu
einen besonderen Tipp? (falls du ein Foto von deinem Arbeitszimmer
hast würde ich mich freuen!)
Was ist dein Lieblingsprodukt aus deinem Shop und warum? Welches Produkt mögen deine Kunden am Liebsten?
Was würdest du Menschen raten,
die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, ihr Hobby/ihr Talent zum
Beruf zu machen? Gab es für dich Stolperfallen/Hindernisse? Was
sind deiner Meinung nach die wichtigsten Voraussetzungen?
Was ist das Schönste an deiner
Arbeit?
Was würdest du gerne noch machen?
Wo siehst du dein Geschäft in 5 Jahren? Was sind deine Träume?
Habt ihr auch Lust bei Meet The Crafter dabei zu sein? Möchtet ihr vielleicht, dass ich euren Shop vorstelle? Dann meldet euch gerne hier per Kommentar!
Leider ist mein Hobby noch nicht mein
Beruf, aber das wäre ein großer Traum von mir. Genäht habe ich
schon sehr früh. In meiner Familie wurde schon immer genäht, meine
Uroma hatte eine eigene Schneiderei und meine Oma hat mir das Nähen
beigebracht. Das erste Mal saß ich auf ihrem Schoss an einer
Nähmaschine, sie trat das Pedal und ich führte den Stoff. Mit den
alten Tretnähmaschinen bin ich damals überhaupt nicht gut klar
gekommen, ich nähte lieber alles mit der Hand. Die Maschine ratterte
mir viel zu schnell: Führte ich die Nadel, wusste ich wenigstens
wohin die Nadel ging. So nähte ich jahrelang nur mit Nadel und
Faden. Ich nähte mir, was man als Teenager so näht, hauptsächlich
Taschen. Aber ich nähte mir auch meine Klamotten um oder verzierte
sie.
Wann ich meine erste Puppe nähte, weiß
ich gar nicht mehr,aber ich hatte irgendwann Lust bekommen, etwas
3-Dimensionales zu nähen. Eine Puppe lag da am nächsten. Ich
überlegte mir, dass man Puppen nähen müsste, die fernab von Barbie
und Co. absolut nicht irgendeinem Schönheitsideal entsprechen. Meine
ersten Puppen hatten dicke Hintern, unterschiedlich große Brüste
oder viel zu breite Hüften.

So ein Wesen aus Stoff zu schaffen, das
machte mir unheimlich Spaß und so nähte ich Puppen über Puppen,
hatte aber keine Verwendung dafür. Und sie sahen damals auch noch
ziemlich stümperhaft aus. Ich nähte sie ja auch alle noch mit der
Hand.
Ein Freund fragte mich dann eines
Tages, ob ich nicht für seine Nichte eine richtige Puppe, also eine
für Kinder nähen könnte. Und das war dann sozusagen der Prototyp
von Fräulein Hinkebein. Da diese Puppe so gut ankam und ich weitere
Puppen verkaufen wollte, begann ich mich noch einmal an die
Nähmaschine heranzutrauen und brachte mir letztendlich dort das
Nähen selbst bei. Heutzutage möchte ich auf meine Nähmaschine
absolut nicht mehr verzichten.
Wo verkaufst du deine Produkte?
Gibt es einen Verkauf der dir bis heute in Erinnerung
blieb weil er vielleicht eine interessante Geschichte erzählt oder
amüsant war?
Bei Dawanda, Etsy - international, auf Märkten und evtl. bald auch auf „it-Baby“.
Zu Beginn waren meine Puppen alle
verträumt, also sie hatten geschlossenen Augen. Eine Kundin bat mich
irgendwann, ihr eine Puppe mit geöffneten Augen zu nähen. Seitdem
gibt es auch aufgeweckte Catinka Hinkebein-Puppen.

Mit welchen Materialien arbeitest du am Liebsten? Was sind deine Craft-Must-Haves?
Ich nähe meine Puppen aus
Baumwollstoffen und Wollfilz. Beide Materialien sind super geeignet.
Baumwolle, weil es nicht so dehnbar ist wie Jersey und die Puppe
dadurch schön in Form bleibt. Wollfilz, weil er sich für Haare und
Schuhe optimal eignet.
Meine Werkstatt ist meine Küche zu
Hause. Meine Nähmaschine steht auf Omas altem Nähschränkchen,
meine Stoffe habe ich in alten Weinkisten, die als Regale an der Wand
hängen. Unverzichtbar ist der Garnrollenhalter, den mein
Schwiegerpapa mir selbst gebaut hat, und ohne den ich ein ständiges
Bindfadenchaos hätte.
Was ist dein Lieblingsprodukt aus deinem Shop und warum? Welches Produkt mögen deine Kunden am Liebsten?
Ich selber habe kein direktes
Lieblingsprodukt, zeitweilig präferiere ich eine Puppe ganz
besonders, weil ich an ihr etwas Neues ausprobiert habe, oder mir das
Gesicht besonders gut gelungen ist. Aber das wechselt auch schnell
wieder.
Meine Kunden kaufen hauptsächlich die
aufgeweckten Frl. Hinkebeins, also mit offenen Augen.
Da auch das mein unerfüllter Traum
ist, kann ich leider keine Tipps geben. Aber ich denke, die
wichtigsten Voraussetzungen, die man mitbringen sollte, sind
unendliche Freude am Tun, grenzenlose Fantasie und Kreativität, Zeit
und Geduld. Und im Idealfall auch ein finanzielles Polster, das einem
über die Runden hilft, wenns mal nicht so gut läuft mit den
Verkäufen. Zeit und Startkapital sind meine
absoluten Mängel.
Ein großes Problem sehe ich auch darin
dass viele Menschen nicht den Wert von Handarbeit schätzen bzw.
bezahlen wollen oder können. Durch massenhafte Billigproduktion ist
das Verständnis dafür, wieviel Zeit und auch Geld in
handgefertigten Produkten steckt, verloren gegangen.
Ich liebe es, an der Nähmaschine zu
sitzen und gedankliche Vorstellungen in Stoff umzusetzen. Dann komme
ich so richtig in den flow. Alles um mich herum wird unwichtig, die
Zeit vergeht wie im Fluge ohne dass man es bemerkt. Und das schönste
ist, dass am Ende immer ein fertiges, greifbares Produkt herauskommt.
Nähen hat für mich absoluten Suchtcharakter.

Mein Traum ist es natürlich,
irgendwann einmal nur durchs Nähen meinen Lebensunterhalt bestreiten
zu können. Vielleicht ist das sogar in 5 Jahren schon Wirklichkeit.
Auf jeden Fall werde ich bis dahin jede Menge neuer Puppen genäht
haben und da freue ich mich schon riesig drauf. Ich habe vor,
demnächst auch ausziehbare Puppen mit toller Garderobe zu nähen und
in meinen Shop zu stellen.
Vielen Dank liebe Catinka für das wunderbare Interview, ich wünsche dir ganz viel Erfolg weiterhin!
***
xoxo





